Am 6. und 7. Mai 2026 nahm ein Teil des FITFORWOOD-Projektteams am 5. D-A-CH-Fachkongress „Drei Länder, eine Mission: Holzbau – wirtschaftsstark und regional!“, organisiert von der Holzbauoffensive Baden-Württemberg, in Friedrichshafen teil. Der Kongress brachte Akteur aus Forschung, Planung, Architektur, Industrie und Politik zusammen, um aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des Holzbaus im deutschsprachigen Raum zu diskutieren.
Für FITFORWOOD bot die Veranstaltung zahlreiche spannende Einblicke in aktuelle Debatten rund um nachhaltiges Bauen und urbanen Holzbau. In Vorträgen, Panels und Gesprächen zog sich dabei immer wieder eine zentrale Frage durch die Diskussionen:
Wie kann Holzbau zu einer nachhaltigeren Transformation des Bausektors beitragen – und welche Faktoren fördern oder hemmen diese Entwicklung derzeit?
Holzbau: Technische Herausforderung oder kultureller Wandel?
Eine wiederkehrende Beobachtung während des Kongresses war, dass viele der häufig diskutierten „Probleme“ des Holzbaus heute nicht mehr primär technischer Natur sind. Herausforderungen wie Brandschutz, Schallschutz oder statische Anforderungen wurden von Expert:innen und Praktiker:innen als Aspekte beschrieben, für die bereits Lösungen existieren – vorausgesetzt, Planung und Umsetzung erfolgen fachgerecht und frühzeitig.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass Holzbau häufig andere Planungs- und Koordinationsprozesse erfordert als konventionelle Bauweisen. Im Vergleich zum traditionellen Bauen sind frühere Abstimmungen, detailliertere Vorausplanung und eine engere interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig.
Mehrere Beiträge hoben auch die Vorteile dieser Herangehensweise hervor: bessere Planbarkeit, weniger unvorhergesehene Mehrkosten sowie geringerer Änderungsdruck während der Bauphase.
Aus Sicht von FITFORWOOD sind diese Diskussionen besonders relevant. Das Projekt beschäftigt sich mit den sozio-politischen Dimensionen urbanen Holzbaus: Welche institutionellen Strukturen, Governance-Formen, Planungskulturen und Akteursnetzwerke beeinflussen die Verbreitung von Holzbau in Städten? Und wie prägen Wahrnehmungen, Routinen und administrative Praktiken Transformationsprozesse im Bausektor?
Reflexionen zu Regulierung und Baukultur
Ein besonderer Impuls ging von der Keynote von Anna Heringer aus, die über das Verhältnis von Regulierung, Kreativität und Baukultur sprach.
Heringer argumentierte, dass zunehmende Regulierungen im Bauwesen eine Kultur des „Bauens aus Angst“ fördern können – geprägt von der Sorge, Fehler zu machen, Haftungsrisiken einzugehen oder von etablierten Normen abzuweichen. Dem stellte sie die Idee eines „Bauens aus Liebe“ gegenüber: mit mehr Kreativität, Intuition und Verantwortung.
Auch wenn sich ihre Arbeit primär auf Lehmbau und nicht auf Holzbau bezieht, knüpften ihre Überlegungen an viele der Diskussionen des Kongresses an. Besonders deutlich wurde dabei, wie stark Werte, Routinen und institutionelle Logiken beeinflussen, wie gebaut, geplant und entschieden wird.
Für FITFORWOOD unterstreichen diese Reflexionen einen zentralen Punkt: Die Transformation des Bausektors hin zu mehr Nachhaltigkeit ist nicht nur eine technologische Herausforderung. Sie ist ebenso eine kulturelle und institutionelle Transformation.
Vernetzung und Austausch
Neben dem offiziellen Programm bot der Kongress zahlreiche Möglichkeiten für Austausch und Vernetzung. Gespräche mit Praktiker:innen, Forschenden und weiteren Stakeholdern lieferten wertvolle Perspektiven für die weitere Entwicklung des FITFORWOOD-Projekts und trugen dazu bei, erste Netzwerke rund um das Projekt aufzubauen.
Der Kongress zeigte erneut, wie dynamisch und interdisziplinär die aktuellen Debatten rund um Holzbau inzwischen sind – und wie wichtig der Austausch zwischen Forschung, Praxis und Politik für die Gestaltung nachhaltiger urbaner Zukünfte sein wird.

Schreibe einen Kommentar